Design und gesellschaftliche Kritik

Gesellschaftliche Probleme sind meist sehr tief und hartnäckig in der Gesellschaft verwurzelt und in, zum Beispiel institutionelle oder diskursive Strukturen eingebunden. Daher ist deren Lösung nicht einfach und muss mit innovativen Ideen und strukturellen Veränderungen passieren. Keiner wird sich einfach so ändern, wenn es nicht einen realistischen, realisierbaren und vorstellbaren, nachvollziehbaren Lösungsvorschlag gibt.

Am Anfang von Veränderungen steht meist eine kriti­sche Reflexion des Ist-Zustands. Missständen, Krisen und Konflikten werden sichtbar gemacht und es verschiebt sich die Perspektive auf relevante Fragen der Gegenwart. Hierbei können ganz unterschied­liche Strategien zum Einsatz kommen: sachliche Informationsgrafiken, die über kritische Sachverhalte aufklären, spektakuläre Guerilla-Aktionen oder Protestbewegungen.

Das Zentrum für politische Schönheit hat 2015 mit seiner Protestaktion “Die Toten kommen” auf die Missstände der Flüchtlingspolitik und die Gleichgültigkeit der Zuständigen gegenüber dem massenhaften Tod und den unmenschlichen Zuständen aufmerksam gemacht.
Das Diagramm World Government von 2013 zeigt Komponenten der Verflechtung von Konzernen, Wirtschaftsverbänden und staatlicher, Strukturen. Erstellt wurde es von dem Bureau d’études, die dafür bekannt sind Machtverhältnisse offenzulegen.

Design an sich wird oft als neutral und reines verstanden. Allerdings hat Design auch immer etwas ideologisches an sich. Jeder Designer und Designprozess wird geprägt durch Werte und einer bestimmten Weltanschauung.


Man kann Design allgemein in zwei Kategorien einteilen: affirmatives Design und kritisches Design. Affirmatives Design ist die meist vorherrschende Art von Design. Sie zeigt die Art und Weise, wie die Dinge gegenwärtig sind. Sie arbeitet mit herkömmlichen technischen, wirtschaftlichen und kulturellen Erwartungen.
Kritisches Design dagegen arbeitet mit der Annahme, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt wie Dinge sein können. Die aktuelle Situation wird kritisch betrachtet und stattdessen alternative Werte dargestellt. Gestalter können mit kritischem Design zeigen, wie die Dinge sein könnten, wenn andere Werte als die vorherrschenden gelten würden.

 Beleuchtet im Film ‘The Sprawl (Propaganda about Propaganda)’ wird Art und Weise der narrativen Informationsvermittlung in sozialen Medien und die daraus resultierenden Konsequenzen. Metahaven

Man kann sagen, dass Kritisches Design die Gestaltung als Disziplin vergrößert und voranbringt, neue Arbeits- und Herangehensweisen kreiert und dabei hilft, neue Fragen und Wege aufzuwerfen. Die multidisziplinäre Arbeitsweise trägt dazu bei, Design aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Design wird so als eine akademische, forschende Praxis integriert. Kritisches Design schafft eine eigene autonome Form der Kritik.

Quellen:
1_Arch+ 222, Projekt Bauhaus 1: Kann Gestaltung Gesellschaft verändern?, 2006, Philipp Oswalt; Jan Bovelet
2_Didier Faustino Projekt: Body in Transit URL: https://didierfaustino.com/Body-in-transit (05. November 2020)
3_Bureau d’études Projekt: World Government URL: https://bureaudetudes.org/2014/02/13/world-government-2013/ (05. November 2020)
3_Zentrum für politische Schönheit Projekt: Die Toten kommen URL: https://politicalbeauty.de/toten.html (06. November 2020)
4_Metahaven Projekt: The Sprawl (Propaganda about Propaganda) URL: http://sprawl.space/about-the-sprawl/ (06. November 2020)

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