Das Ende des Loudness Wars?

Der renommierte Mastering-Ingenieur Bob Katz hat 2014 angekündigt, der Loudness War sei vorbei [1]. Und spätestens nach der Einführung von Streaming-Diensten, die eine automatisierte Lautheitsanpassung an Musikstücken vornehmen, um alle Musiktitel ungefähr gleich laut klingen zu lassen, könnte man behaupten, der Loudness War gehört der Vergangenheit an. Aber werden seit der Einführung von Lautheitsnormalisierungen auch tatsächlich wieder dynamischere Masterings erstellt und was genau ist der Loudness War?

Der sogenannte Loudness War beschreibt den seit den 80er Jahren andauernden Trend Musik in ihrer Dynamik immer stärker einzuschränken, um eine möglichst hohe Lautheit zu erzielen. Dabei basiert der Loudness War auf dem Phänomen, dass lautere Musikstücke im Vergleich zu leiseren als besser wahrgenommen werden, worauf Mastering-Ingenieure eine möglichst hohe Lautheit auf Kosten des Dynamikumfangs anstrebten, um sich so von der Konkurrenz abzuheben. [2]

Abbildung 1: Verlauf der durchschnittlichen Durchschnittspegel bzw. Dynamikumfänge von Musikstücken über die Jahre

Den Höhepunkt des Loudness Wars markiert das Album “Death Magnetic” von Metallica aus dem Jahr 2007, das einen großen medialen Aufschrei erzeugte, weil dessen Dynamikumfang so gering war, dass es von vielen Fans stark kritisiert wurde. Vor allem beim Vergleich mit der dynamischeren und weniger lauten Version desselben Songs im Videospiel Guitar Hero 3 zeigte sich, dass das offizielle Album-Mastering durch die extrem geringe Dynamik als schlechter wahrgenommen wird. Extrem komprimierte Musikstücke werden oft als “uninteressant”, “ermüdend” und “flach” beschrieben. [1, 3, 4]

Abbildung 2: Vergleich der Album Version des Songs “The Day That Never Comes” mit der Guitar Hero Version

Um dem Loudness War entgegenzuwirken hat die europäische Rundfunkunion Empfehlungen und Normen ausgesprochen, die dazu geführt haben, dass Programme und Werbungen bei vielen Radio- und Fernsehsendern wieder dynamischer wurden und geringere Lautheitswerte aufwiesen. [5]

Streaming-Dienste, wie Spotify, Apple Music, Youtube usw., haben eine automatische Lautheitsanpassung entwickelt, die die Lautheit eines Musikstücks misst und auf einen eigens definierten Wert regelt. Das hat zur Folge, dass Musikstücke, die einen deutlich höheren Lautheitswert aufweisen als der von den Streaming-Diensten festgelegte, um einen bestimmten Wert abgesenkt werden, sodass er mit dem definierten Wert übereinstimmt. Gemessen wird in einer speziell entwickelten Messskala für Lautheit, welche die Einheit LUFS (Loudness Units relative to Full Scale) festgelegt hat. [6, 7, 8]

Da Streaming inzwischen die populärste Form des Musikhörens ist, sollte dies eigentlich zur Folge haben, dass Mastering-Ingenieure in der heutigen Zeit Musikstücke wieder weniger stark komprimieren und einen höheren Dynamikumfang zulassen, da zu laute Musik ohnehin runterreguliert wird. [9]

Allerdings sieht man anhand der meisten populären Werke der letzten Jahre, dass viele Masterings dennoch stark komprimiert sind, um hohe Lautheiten zu erzielen. Vereinzelt gibt es allerdings auch in der Popmusik Ausnahmen, die den Schritt wagen, dynamischere Musiktitel zu veröffentlichen. Lady Gagas Song “Shallow”, der 2019 für einen Grammy nominiert wurde und auch ein weltweiter Erfolg wurde, zählt zu diesen. [10]

Quellen:

[1] https://www.soundonsound.com/techniques/end-loudness-war

[2] https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/loudness-war-lauter-ist-besser

[3] https://audiomunk.com/the-past-and-future-of-the-loudness-war/

[4] S. 18 https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/335378?originalFilename=true

[5] https://www.soundandrecording.de/tutorials/loudness-war-interview-mit-lautheitsforscher-rudi-ortner/

[6] https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/spotify-und-das-ende-des-loudness-war.html

[7] https://blog.landr.com/de/was-sind-lufs-lautstaerkemessung-erklaert/

[8] https://artists.spotify.com/faq/mastering-and-loudness#my-track-doesn’t-sound-as-loud-as-other-tracks-on-spotify-why

[9] https://www.ifpi.org/our-industry/industry-data/

[10] https://www.nytimes.com/2019/02/07/opinion/what-these-grammy-songs-tell-us-about-the-loudness-wars.html


Bilderquellen:

Abbildung 1: S. 14 https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/335378?originalFilename=true

Abbildung 2: https://audiomunk.com/the-past-and-future-of-the-loudness-war/