Klangliche Stilmittel in Videospielen (Teil 1: Symbole, Leitmotive, Key Sounds)

Bei der Gestaltung von Klängen gibt es verschiedene gängige Stilmittel, die genutzt werden, um dem Bild und der Handlung mehr Ausdruck zu verleihen. Dabei betrachten wir die Erkenntnisse von Gerhard Hackl in seiner Diplomarbeit „Sound-Design im Österreichischen Film“, welche sich zwar auf das Medium Film beziehen, allerdings auch auf Videospiele übertragbar sind [1].

Symbole

Symbole deuten auf Ereignisse hin, die ein kulturell geprägtes Vorwissen voraussetzen. Dazu gehören Rituale, Religionen, Mythen und soziale Traditionen, die einen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft haben. Gleichzeit muss ein solches Symbol im Kontext des Films gesehen werden, weil es durchaus verschiedene Bedeutungen haben kann und anfällig ist für Falsch- oder Überinterpretationen.

Ein prominentes Beispiel wäre das Ticken einer Uhr. Damit wird die Erwartungshaltung erzeugt, dass etwas passieren wird, bzw. der Protagonist handeln muss, weil die Zeit abläuft. Gleichzeitig dient dieses Element als Mittel der Spannungssteigerung.

Leitmotive

Leitmotive sind musikalische Motive, die einen Charakter oder ein Ereignis klanglich darstellen. Leitmotive können sich im Laufe des Werks verändern und auf die Entwicklung der Handlung reagieren. Damit ein Leitmotiv also so eines erkannt wird und eine Bedeutung bekommt, muss dieses beim ersten Auftreten eindeutig gekennzeichnet sein. Die Verbindung von Bild und Ton muss dabei klar erkennbar sein und das Leitmotiv sollte daraufhin oft wiederholen, um es beim Beobachter im Gedächtnis zu verankern.

Eines der berühmtesten Leitmotive der Filmgeschichte ist John Williams‘ „Imperial March“, das den Bösewichten Darth Vader repräsentiert.

Der Komponist Nobuo Uematsu, der verantwortlich ist für die Musik der früheren „Final Fantasy“-Spiele, hat für jeden Protagonisten und Antagonisten dieser Spiele Leitmotive geschrieben, die immer dann erklingen, wenn die jeweilige Spielfigur mit einem bedeutsamen Ereignis in Verbindung gebracht wird und der Fokus auf die Figur gelenkt werden soll. In Final Fantasy VII ist z. B. der tragische Tod der Protagonistin Aerith ein Schlüsselmoment im Spiel und wird mit den ihr zugehörigen Leitmotiv begleitet.

Key Sounds

Key Sounds sind Hybride aus Symbolen und Leitmotiven. Sie sind symbolische Klänge, die erst im Film oder Spiel eine Bedeutung erhalten und nicht, im Gegensatz zu Symbolen, auf außerfilmischen Traditionen basieren. Key Sounds müssen klar als solche zu erkennen sein, indem sie oft wiederholt werden und mit der Grundthematik zusammenhängen.

Ein Beispiel wäre das Geräusch der Helikopterpropeller in Apocalypse Now, das kurz vor dem kriegerischen Angriff auf ein vietnamesisches Dorf sehr prominent zu hören ist und die bevorstehende Gefahr symbolisiert.

Im Spiel Witcher 3 wird die Ankunft der sogenannten „Wilden Jagd“, einer Truppe von böswilligen Elfen, die gleichzeitig die Antagonisten des Spiels sind, klanglich und visuell durch schwergepanzerte berittene Krieger dargestellt. Im Spiel sind diese auf der Jagd nach der Ziehtochter Ciri des Protagonisten Geralt. Genau genommen hat die „Wilde Jagd“ den Ursprung in der nordischen Mythologie, doch die wenigsten Rezipienten sind heutzutage mit dieser Sage vertraut und werden erst im Laufe des Spiels damit vertraut. Jedenfalls stellen die Klänge der galopierenden Pferde und der schweren metallischen Rüstungen Key Sounds dar, die im Laufe des Videospiels an mehreren Stellen auftreten.



Quellen:

[1] https://phaidra.fhstp.ac.at/open/o:1779