{"id":5535,"date":"2021-05-21T12:38:04","date_gmt":"2021-05-21T12:38:04","guid":{"rendered":"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=5535"},"modified":"2021-05-21T12:38:04","modified_gmt":"2021-05-21T12:38:04","slug":"schaffensprozess-und-musikalische-entwicklungsprozesse-part-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=5535","title":{"rendered":"Schaffensprozess und musikalische Entwicklungsprozesse (Part 2)"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Komponisten k\u00f6nnen nach den Studien Pohjannoro\u2019s (2016) Probleme in ihrem Produktionsprozess \u00fcberwinden, indem bewusste Zielsetzungen und Ideen geschaffen werden, die vom K\u00fcnstler selbst als Intuition empfunden werden. Danach kann er nach Evaluation des St\u00fccks auch im Entscheidungsprozess zur\u00fcckgehen, um seine Fehler zu verbessern, w\u00e4hrend er gleichzeitig schon das Endprodukt vor Augen hat. Es kommt jedoch nach Lothwesen &amp; Lehmann (2018) immer auf das Verhalten der Einzelpersonen an, welches nicht unbedingt verallgemeinerbar ist, jedoch \u201ewichtige Einsichten in die Individualit\u00e4t und Komplexit\u00e4t der generativen T\u00e4tigkeiten\u201c (Lothwesen &amp; Lehmann (2018, S. 352) bringt. Bahle (1982, S. 84) machte au\u00dferdem deutlich, dass Komponieren umso unbewusster verl\u00e4uft, je mehr die \u00fcbernommenen Methoden durch h\u00e4ufiges Anwenden unter die Bewusstseinsschwelle versinken. Er schrieb au\u00dferdem:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eJe ausgepr\u00e4gter und origineller ihr Personalstil ist, um so bewusster verl\u00e4uft der Schaffensprozess, das hei\u00dft um so mehr findet man die Methoden des Experimentierens und Reflektieren in ihrem Gesamtschaffen, das dann einem Arbeitsprozess mit all seinen Stockungen und M\u00fchen gleicht.\u201c \u2013 Bahle (1982, S. 84)<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem ist ohne \u00dcbung weder Leistungssteigerung noch Leistungserhalt m\u00f6glich, wobei mit \u00dcbung dabei eher die Wiederholung von Verhaltensweisen bezeichnet wird (Renkl, 2009, S. 19). Damit ist von Platz &amp; Lehmann (2018, S. 75) unter anderem der Zuwachs von Erfahrung beschrieben. Bis 1980 nahm man laut Baer (2015) an, die kreativen musikalischen F\u00e4higkeiten w\u00e4ren ein Pers\u00f6nlichkeitsmerkmal, wobei man heutzutage davon ausgeht, dass diese als dom\u00e4nenspezifisch trainierbar gelten. Bei diesen Theorien muss ein Individuum zun\u00e4chst \u201eWillen und Gelegenheit zur kreativen Besch\u00e4ftigung mit Musik\u201c haben, sowie die n\u00f6tigen Fertigkeiten zur Aus\u00fcbung bereitstellen (Lothwesen, Lehmann (2018, S. 346). Angenommen wird auch, dass \u201ekreative Probleml\u00f6sungen nicht von der Expertise abh\u00e4ngen, die lediglich eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung darstellt\u201c (Lothwesen &amp; Lehmann (2018, S. 346). Es gibt demnach auch unkreative Experten in ihren Dom\u00e4nen.<\/p>\n\n\n\n<p>20<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Schneider\u2018s Serendipit\u00e4tsprinzip (2006) werden manche L\u00f6sungen zuf\u00e4llig gefunden und einer passenden Fragestellung nachtr\u00e4glich zugeordnet. Dieses Prinzip passt auch zu den Erkenntnissen von Bahle (1982), wie bereits oben beschrieben, da sich auch das Experimentieren ohne Expertise in den Schaffensprozess eingliedern l\u00e4sst, es jedoch wom\u00f6glich von der Expertise abh\u00e4ngt, wie zielgerichtet das Experimentieren gelingt. Aus Sicht der Gehirnforschung gibt es laut Altenm\u00fcller (2006) unter anderem die Frontalhirnhypothese, welche besagt, dass \u201emusikalische Kreativit\u00e4t mit einem gewissen Grad an Kontrollverlust einhergeht.\u201c (Lothwesen &amp; Lehmann, 2016, S. 356; Altenm\u00fcller, 2006). Es wird dabei angenommen, dass bei zunehmenden kreativen Schaffensprozessen, wie Melodiebildung, die rechte tempoparietale \u00dcbergangsregion (rTPJ) deaktiviert wird, welche in Verbindung mit der Steuerung von Aufmerksamkeitsprozessen und sozialen Interaktionen gesehen wird. Dies kann das Generieren und Ausf\u00fchren von kreativen musikalischen Handlungen unterst\u00fctzen und ist Expertise-abh\u00e4ngig, also bei unerfahrenen K\u00fcnstlern konnte kein solcher Effekt festgestellt werden (Lothwesen &amp; Lehmann, 2016, S. 356; Altenm\u00fcller, 2006).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Altenm\u00fcller, E. (2006). Das improvisierende Gehirn. Musikpsychologie und Musikermedizin, 13(1), S. 1-10 <\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Amabile, T. (1983). The social psychology of creativity: A componential conceptualisation. <\/em><em>Journal of Personality and Social Psychology, 45(2), S. 357-376<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Baer, J. (2015). Bridging generality and specifity. The amusement Park Theoretical model of creativity. <\/em><em>Roeper Review, 27(3), S. 158-163 <\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Bahle, J. (1947) Der musikalische Schaffensprozess: Psychologie der sch\u00f6pferischen Erlebnis- und Antriebsformen. Konstanz: Christiani <\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Bahle, J. (1982). Eingebung und Tat im musikalischen Schaffen: Ein Beitrag zur Psychologie der Entwicklungs- und Schaffensgesetze sch\u00f6pferischer Menschen (2., unver\u00e4nd. <\/em><em>Aufl.). Hemmenhofen\/Bodensee: Kulturpsychologischer Verl. S. 84 <\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Kaufmann, J.; Sternberg, R. (2010). The Cambridge handbook of creativity. Cambridge. CUP.<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Lothwesen, K.; Lehmann, A. (2018). Komposition und Improvisation. In: Handbuch Musikpsychologie. Hogrefe S. 346ff<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Platz, F.; Lehmann, A. (2018). Vom Anf\u00e4nger zum Experten: Lernen, \u00dcbung, Motivation. In: Handbuch Musikpsychologie. Hogrefe S. 75 <\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Pohjannoro, U. (2016). Capitalising on intuition and refelction: Making sense of a composer\u2019s creative process. <\/em><em>Musicae Scientiae, 20(2), S. 166-188 <\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Renkl, A. (2009). Wissenserwerb. In: E. Wild &amp; J. M\u00f6ller (Hrsg.), P\u00e4dagogische Psychologie. <\/em><em>(S. 3-26). Heidelberg. Springer <\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schneider,M. (2006). Teflon, Post-it und Viagra: gro\u00dfe Entdeckungen durch kleine Zuf\u00e4lle. Weinheim: Wiley-VCH. <\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Webster, P.R. (2002). Creative thinking in music: Administrative Guideline. Evanston. Northwestern University <\/em><em><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Komponisten k\u00f6nnen nach den Studien Pohjannoro\u2019s (2016) Probleme in ihrem Produktionsprozess \u00fcberwinden, indem bewusste Zielsetzungen und Ideen geschaffen werden, die vom K\u00fcnstler selbst als Intuition empfunden werden. Danach kann er nach Evaluation des St\u00fccks auch im Entscheidungsprozess zur\u00fcckgehen, um seine Fehler zu verbessern, w\u00e4hrend er gleichzeitig schon das Endprodukt vor Augen hat. Es kommt<\/p>\n<footer class=\"entry-footer index-entry\">\n<div class=\"post-social pull-left\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D5535\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-facebook\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><a href=\"https:\/\/twitter.com\/home?status=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D5535\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-twitter\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/shareArticle?mini=true&#038;url=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D5535&#038;title=Schaffensprozess+und+musikalische+Entwicklungsprozesse+%28Part+2%29\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-linkedin\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><\/div>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=5535\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">\u2192<\/span><\/a><\/p>\n<\/footer>\n","protected":false},"author":42,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5535"}],"collection":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/42"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5535"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5536,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5535\/revisions\/5536"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}