{"id":5109,"date":"2021-05-25T13:19:02","date_gmt":"2021-05-25T13:19:02","guid":{"rendered":"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=5109"},"modified":"2021-05-25T13:19:02","modified_gmt":"2021-05-25T13:19:02","slug":"ambivalenz-der-mensch-natur-beziehung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=5109","title":{"rendered":"Ambivalenz der Mensch-Natur-Beziehung"},"content":{"rendered":"\n<p>Es gibt nicht nur zwischen Natur und Mensch, sondern auch zwischen Natur, Mensch und Film etliche Ber\u00fchrungspunkte und Zusammenh\u00e4nge. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern die Rolle der Natur im Leben der Menschen auch den Umgang der Menschen mit der Natur im Film beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Definition von Natur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst gilt es zu er\u00f6rtern, wof\u00fcr Natur eigentlich steht, was dieser Begriff umfasst \u2013 und was nicht. Die Definition des Begriffs \u201eNatur\u201c beinhaltet n\u00e4mlich diverse Bedeutungen.<\/p>\n\n\n\n<p>In erster Linie bezeichnet Natur \u201eorganische und anorganische Erscheinungen[,die] ohne Zutun des Menschen existiert oder sich entwickel[n]\u201c [16]. Als anorganisch bzw. unbelebt werden hierbei \u201eBoden, Wasser, Wetter, Klima, Luft, Sonnenlicht, Atmosph\u00e4re, W\u00e4rme, Temperatur, Str\u00f6mungen, chemische Stoffe, kosmische Einfl\u00fcsse\u201c verstanden [3, S. 6]. Organische bzw. belebte Natur beinhaltet Fauna und Flora, sprich s\u00e4mtliche Pflanzen und Tiere bzw. Lebewesen [7, S. 208] \u2013 also auch Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>In Bezug auf \u201eohne das Zutun des Menschen\u201c ist zu betonen, dass selbst artifizielle Erscheinungen der Natur als Natur zu definieren sind. So z\u00e4hlen beispielsweise Zimmerpflanzen oder Parks ebenfalls zum Naturbegriff, auch wenn sie durch Menschen gestaltet, konstruiert, reguliert und instand gehalten werden. Ausschlaggebend hierf\u00fcr ist die M\u00f6glichkeit zur Naturerfahrung durch visuelle Eindr\u00fccke oder Interaktionen. In diesem Sinne kann der Mensch Natur auch mithilfe von Fotos, Filmen oder gar in Virtual Reality Setups erfahren. [7, S. 208]<\/p>\n\n\n\n<p>Natur kann aber auch dadurch definiert werden, was Natur nicht ist. So verwendet Gloy etwa folgende Kontrastbegriffe, um den Naturbegriff weiter einzugrenzen: Natur \u2013 Geist, Natur \u2013 Vernunft, Natur \u2013 Kunst, Natur \u2013 Technik. Dies unterstreicht den eingangs erw\u00e4hnten Aspekt, dass Natur alles umfasst, das \u201eohne menschlichen Willen und ohne menschliches Zutun von sich aus existieren, erzeugt werden oder entstehen und sich erhalten\u201c kann. [6, S. 23]<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders hervorzuheben ist hierbei \u201eohne menschliches Zutun\u201c \u2013 schlie\u00dft es den Menschen als solchen nicht vom Naturbegriff aus. Er ist als \u201ek\u00f6rperliches Wesen [. . . ] \u00fcber materielle und energetische Austauschprozesse mit der physikalischen Umwelt untrennbar verbunden\u201c [3, S. 3].<\/p>\n\n\n\n<p>Den Mensch ausschlie\u00dflich als Teil der Natur zu bezeichnen, ist jedoch unvollst\u00e4ndig. Schlie\u00dflich fungiert er laut Kattmann mit seinen F\u00e4higkeiten als \u201eGestalter und Ver\u00e4nderer\u201c der Natur, bleibt aber \u201eunentrinnbar als Lebewesen Teil von ihr\u201c. Der Mensch ist demnach \u201eimmer zugleich sowohl Teil als auch Gegen\u00fcber der Natur\u201c [9, S. 3].<\/p>\n\n\n\n<p>Da der Fokus dieser Arbeit auf den beiden einzelnen Aspekten liegt, also sowohl dem Mensch, als auch der Natur, sind diese folglich auch begrifflich voneinander zu unterscheiden. Alleine schon im sprachlichen Ausdruck \u201eMensch und Natur\u201c ergibt sich eine Gegen\u00fcberstellung der beiden [4, S. 41]. Der Mensch steht also im klaren Gegensatz zur restlichen, nichtmenschlichen Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztlich ist noch eine weitere Definition vom Begriff \u201eNatur\u201c relevant \u2013 n\u00e4mlich jene der Natur im Sinne von Wesensz\u00fcgen bzw. \u201egeistige[n], seelische[n], k\u00f6rperliche[n] oder biologische[n] Eigent\u00fcmlichkeit[en]\u201c in Bezug auf das Verhalten von Menschen und Tieren [16].<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. Menschliche Verbundenheit und Abgrenzung zur Natur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Beziehung zwischen Mensch und Natur basiert, wie zuvor (siehe Abschnitt 1) bereits angedeutet, auf einem ambivalenten Verh\u00e4ltnis. In erster Linie nimmt der Mensch in seinem Verh\u00e4ltnis zur Natur eine Doppelrolle ein: Zum einen gilt der Mensch als Teil der Natur, zum anderen steht er ihr gegen\u00fcber [9].<\/p>\n\n\n\n<p>Doch auch weitere Verbindungsfelder zwischen Mensch und Natur sind wechselseitig gepr\u00e4gt. Die Natur- und Selbstinterpretation bzw. Wahrnehmung steht in einer grunds\u00e4tzlichen Wechselwirkung zueinander als dass sie einander gegenseitig beeinflussen. Ebenso ist die R\u00fcckkehr zur Natur erst durch die vorangehende Entfernung von der Natur m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.1 Animismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Lange Zeit ging man von einer \u201eVerwandtschaft\u201c der Menschen mit der nichtmenschlichen Umwelt aus. Der sogenannte Animismus galt als die universale Weltauffassung der Menschen. Der Begriff Animismus hat einige Bedeutungen und Kontexte, ist aber haupts\u00e4chlich vom Glaube an die Beseeltheit von Dingen gepr\u00e4gt [14]. Erst durch die Entwicklung der Naturwissenschaften wurde zwischen menschlich und nichtmenschlich unterschieden. Dadurch wurden animistisches bzw. anthropomorphes (Anthropomorphismus bezeichnet die \u201e\u00dcbertragung menschlicher Eigenschaften auf Nichtmenschliches\u201c [15]) Denken schlie\u00dflich aufgegeben. [4, S. 19]<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch ist uns diese Weltauffassung erhalten geblieben \u2013 zumindest im kindlichen Animismus. So befinden sich Kinder zun\u00e4chst in einem mentalen Entwicklungsstadium, in dem sie (aus Erwachsenen-Sicht leblosen) K\u00f6rpern und Gegenst\u00e4nden sehrwohl Lebendigkeit, Bewusstsein und einen eigenen Willen zuschreiben. [11, S. 145 ff.]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.2 Kindliche Natur-Verbundenheit und Identit\u00e4tsfindung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Hinsicht auf die Mensch-Natur-Beziehung ist nicht nur die Beseelung bzw. Vermenschlichung von Nichtmenschlichem (konkret: der Natur) eine interessante, kindliche Auffassung, sondern auch die der Verbindung zur Natur selbst. Kleinkinder nehmen sich als eins mit ihrer Mutter, aber auch mit dem nichtmenschlichen Umfeld wahr [13, S. 30]. Erst im Laufe ihrer Entwicklung k\u00f6nnen sie zwischen der eigenen Identit\u00e4t und ihrer menschlichen sowie nichtmenschlichen Umwelt unterscheiden [4, S. 22].<\/p>\n\n\n\n<p>Diese empfundene Verbundenheit zur Umwelt stellt auch im Erwachsenenalter eine zentrale Rolle zur emotionalen Orientierung dar [4, S. 27]. Searles beschreibt diese Verwandtschaft wie folgt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIt is my conviction that there is within the human individual a sense, whether at a conscious or unconscious level of relatedness to his nonhuman environment, that this relatedness is one of the transcendentally important facts of human living, that [. . . ] it is source of ambivalent feelings to him, and that finally, if he tries to ignore its importance to himself, he does so at peril to his psychological well-being.\u201c <\/em>[13, S. 5\u20136]<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses \u201eGef\u00fchl der Verwandtschaft\u201c beruht auf der Erinnerung an die kindliche Verbundenheit mit der Umwelt. Erst das Ablegen der kindlichen Verbundenheit und das Erlangen dieses reifen Verwandtschafts-Gef\u00fchl schafft Raum f\u00fcr Wahrnehmung der eigenen menschlichen Individualit\u00e4t \u2013 und der eigenen Identit\u00e4t, n\u00e4mlich durch Abgrenzung von unserer Umwelt. [4, S. 27] <\/p>\n\n\n\n<p><strong>2.3 Natur- und Selbstinterpretation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gebhard beschreibt das \u201eSelbst-Natur-Sein\u201c als fundamental, da das  Verh\u00e4ltnis zu einem selbst mit dem Verh\u00e4ltnis zur Natur einhergeht [4, S. 41]; B\u00f6hme spricht sogar davon, dass \u201edie Naturbeziehung zu einer Selbstbeziehung des Menschen wird\u201c [2, S. 53]. Schelling dazu:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eSolange ich selbst mit der Natur identisch bin, verstehe ich was eine lebendige Natur ist so gut, als ich mein eigenes Leben verstehe; [. . . ] sobald ich aber mich [. . . ] von der Natur trenne, bleibt mir nichts \u00fcbrig als ein todtes [sic] Objekt und ich h\u00f6re auf, zu begreifen, wie ein Leben au\u00dfer mir m\u00f6glich sey [sic].\u201c<\/em> [12, S. 40]<\/p>\n\n\n\n<p>Anstatt zu versuchen, Natur objektiv zu definieren, ruft Gebhard zur Interpretation der individuellen Bedeutung der Natur f\u00fcr einen selbst auf. \u201eNaturbeziehung und Naturwahrnehmung setzt Naturinterpretation voraus.\u201c In dieser Form der Natur- und Selbstwahrnehmung sei es wichtig, \u201ewie sich \u00e4u\u00dfere Natur in der inneren Natur des Menschen repr\u00e4sentiert\u201c. [4, S. 42\u201343] So fungiert die Natur als Spiegel von uns selbst und l\u00e4dt dazu ein, sich selbst darin wieder zu finden und zu erkennen. Selbstdeutungen wie \u201everwurzelt wie ein Baum\u201c oder \u201efrei wie ein Vogel\/der Wind\u201c bezeichnet Gebhard als \u201ephysiomorphe Interpretationen\u201c. Insgesamt dienen also die Symbole der Natur als Mittel zur (Selbst-)Interpretation. [4, S. 38, 106]<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sinne der Gleichbedeutung und des Zusammenhanges dieses Natur- und Selbstverh\u00e4ltnisses kann es keine klare Trennung zwischen der inneren Natur des Menschen und der \u00e4u\u00dferen Natur geben. \u201eDie \u00e4u\u00dfere Natur beeinflusst immer auch die innere, psychische Natur des Menschen und umgekehrt.\u201c [5, S. 243-267]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Positive Effekte der Natur auf den Menschen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ebendiese Wechselwirkung, in der die \u00e4u\u00dfere und innere Natur eines Menschen zueinander steht, ist entscheidend f\u00fcr m\u00f6gliche, positive Effekte, die die Natur auf den Menschen haben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Sinne der genannten Wahrnehmung und Interpretation von gleicherma\u00dfen der Natur und einem selbst sticht nat\u00fcrlich der psychologische Effekt stark heraus. Die intensive Besch\u00e4ftigung mit der Natur hilft, sich selbst zu verstehen, wie etwa Schelling zu entnehmen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Searles beschreibt die Natur als die wichtigste Zutat der menschlichen Psyche und dass das Ignorieren dieser Wichtigkeit zu Kosten des eigenen, psychischen Wohlbefindens geht [13, S. 5\u20136]. Zu den positiven Effekten bei Kontakt mit lebendiger Natur streicht er Linderung von schmerzhaften und angstbesetzten Gef\u00fchlszust\u00e4nden, F\u00f6rderung der Selbstverwirklichung, Vertiefung des Realit\u00e4tsgef\u00fchls und die Unterst\u00fctzung der [. . . ] positiven Einstellung zu den Mitmenschen [4, S. 27].<\/p>\n\n\n\n<p>Hartig erg\u00e4nzt dies um die Steigerung der Leistungsf\u00e4higkeit und des subjektiven Wohlbefindens, permanente, k\u00f6rperliche Ver\u00e4nderungen sowie Morbidit\u00e4t, Mortalit\u00e4t und Langlebigkeit [7, S. 213].<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zahlreiche andere Studien und Literatur, die die positiven Effekte der Natur auf Menschen untersuchen und belegen. Der Fokus liegt hierbei meist auf Luftqualit\u00e4t, physischer Aktivit\u00e4t, sozialem Zusammenhalt und Stressreduktion [7, S. 212].<\/p>\n\n\n\n<p>Dass eine \u201ereiche und nahe Beziehung\u201c zur Natur sich positiv auf den Menschen auswirkt, ist laut Gebhard unbestritten [4, S. 27]. Unklar ist allerdings, welche Umwelt (sprich von welcher Qualit\u00e4t und wie viel) der Mensch braucht, um gesund zu bleiben [4, S. 74]. Gebhard beschreibt aber in diesen Zusammenhang eine zumindest \u201evielf\u00e4ltige und intakte \u00e4u\u00dfere Natur\u201c [4, S. 39].<\/p>\n\n\n\n<p><strong>4 .Entfernung von und R\u00fcckkehr zu der Natur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Trotz all dieser positiven Effekte, die Interaktionen mit der Natur mit sich bringen, haben wir uns als Gesellschaft unweigerlich von der Natur entfernt. Dies wurde historisch in erster Linie durch die Entwicklung von Naturwissenschaften und Technik m\u00f6glich, als der Mensch sich von der restlichen, nichtmenschlichen Umwelt losl\u00f6ste und zum Individuum wurde [4, S. 43]. Durch die weitere Entwicklung der Gesellschaft wurde diese Entfernung schlie\u00dflich intensiviert.<\/p>\n\n\n\n<p>Einst musste man sich vor der \u201ewilden Natur\u201c sch\u00fctzen \u2013 etwa vor potentiell gef\u00e4hrlichen Tieren oder Wettereinfl\u00fcssen. Durch das Bauen von H\u00fctten konnte man diesen Bedrohungen Abhilfe schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die damit einhergehende, weitreichende Zivilisation und die daraus resultierende Abwendung von der Natur hatte schlie\u00dflich zur Folge, dass wir uns wieder mehr danach sehnen. Denn ein Bed\u00fcrfnis nach etwas kann erst entstehen, wenn ein Mangel daran besteht [4, S. 43].<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits Jean-Jacques Rousseau hat im 18. Jahrhundert auf diese Entfernung von der Natur hingewiesen. Er begr\u00fcndet in der widernat\u00fcrlich Vergesellschaftung und der \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Kultivierung die Boshaftigkeit und Selbstsucht des Menschens, und forderte auf, die Ziviliserung zur\u00fcckzuschrauben [3, S. 1]. Seither hat sich der Mensch jedoch noch st\u00e4rker zivilisiert und durch Globalisierung und Erbauung von St\u00e4dten noch weiter von der Natur entfernt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Laufe der Zeit hat sich die Wahrnehmung der Natur bedeutend gewandelt. Die einst \u201ewilde Natur\u201c, vor der man sich sch\u00fctzen versuchte, wich einer romantisierten Idealisierung der Natur. Dabei werden etwaiige Bedrohungen der Natur ausgeblendet und die utopische Vorstellung einer paradiesischen Natur hervorgehoben. [4]<\/p>\n\n\n\n<p>Durch diese Vorstellung der Natur erhofft man sich laut B\u00f6hme \u201eErl\u00f6sung von der Last und Beengung zivilisierten Lebens\u201c [1, S. 61]. Diese Sehnsucht kann somit als authentische Gegenerfahrung zur modernen Zivilisation verstanden werden [10, S. 10]. Bed\u00fcrfnisse nach Unentfremdheit, Ganzheit und Gl\u00fcck sollen durch das Erleben von Natur gestillt werden [4, S. 43].<\/p>\n\n\n\n<p>Kirchhoff et al schreiben \u00fcber den Drang nach drau\u00dfen in der zeitgen\u00f6ssischen Freizeitkultur. Zus\u00e4tzlich zur Romantisierung der Natur und dem Genuss ihrer Sch\u00f6nheit gibt es auch die Sehnsucht nach der wilden Natur. Potentielle Gefahren und Herausforderungen haben dabei ihren Reiz, da sie M\u00f6glichkeit zur \u00dcberwindung bieten. Im Erleben von wilder Natur k\u00f6nnen Menschen Erhabenheit, Urpr\u00fcnglichkeit und Triebhaftigkeit ausleben. [10, S. 14]. Weitere Assoziationen mit der Natur sind Unabh\u00e4ngigkeit und Freiheit, die der Mensch in der Natur sucht [4, S. 95].<\/p>\n\n\n\n<p>Schon der Romantiker Jean Paul definierte vier Gr\u00fcnde, Zeit in der Natur zu verbringen: Eitelkeit, Verbesserung der Gesundheit, Genuss der landschaftlichen Sch\u00f6nheit sowie als Medium um sich in \u201e\u00fcbernat\u00fcrliche, g\u00f6ttliche Sph\u00e4ren\u201c zu erheben [10, S. 13].<\/p>\n\n\n\n<p>Auf letzteres deutet bereits Kants Annahme hin, dass das Interesse am Natursch\u00f6nen und die moralische Gesinnung, bzw. die \u201eVeredlung des Menschen\u201c, im Zusammenhang st\u00fcnden [4, S. 12, 115]. Die Wertsch\u00e4tzung der Sch\u00f6nheit der Natur sei \u201eKennzeichen guter Seele\u201c, da damit Dankbarkeit f\u00fcr diese Sch\u00f6nheit einhergehen soll [8, S. 395].<\/p>\n\n\n\n<p>Im heutigen Diskurs der Natur\u00e4sthetik hofft man darauf, dass durch die Wahrnehmung der Sch\u00f6nheit der Natur diese als sch\u00fctzenswert erscheint [4, S. 115], was angesichts der voranschreitenden Zerst\u00f6rung der Natur notwendig w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Ob das zeitgen\u00f6ssische Umweltbewusstsein rein auf \u00e4sthetischen bzw. Sehnsuchts-basierten, oder doch auch auf moralischen Gr\u00fcnden beruht, ist unklar. Auffallend ist aber eine Zunahme des gesellschaftlichen Umweltbewusstseins. Zwar gab es bereits immer wieder Bewegungen f\u00fcr mehr Umweltbewusstsein, doch erst die Bewegung Fridays for Future hat 2019 ein noch nie dagewesenes mediales und gesellschaftliches Interesse am Erhalt unserer Umwelt hervorgerufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gebhard kritisiert jenes Missverh\u00e4ltnis, dass die \u201edeutlich positiv get\u00f6nte Natursymbolik die Menschen nicht gehindert hat, die konkrete Natur zu zerst\u00f6ren\u201c [4, S. 43].<\/p>\n\n\n\n<p>Wie in Abschnitt 1.2.3 bereits behandelt, kann die Naturbeziehung auch als Selbstbeziehung gesehen werden. Die Natur fungiert als Spiegel zu uns selbst, daher dient der Schutz und Erhalt der Natur auch dem Schutz und Erhalt von uns selbst. Glaubte Kant also noch an edle, moralische Gr\u00fcnde f\u00fcr das Interesse an der Natur, so k\u00f6nnte Naturschutz auch nicht zuletzt auch eigenn\u00fctzig verstanden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entfernung von und die R\u00fcckkehr zur Natur l\u00e4sst sich allerdings auch simpel durch ebendiese generelle Beziehung zwischen Mensch und Natur verstehen. Searles beschreibt den inneren Konflikt des Menschen, wonach er sich einerseits danach sehnt, eins mit der nichtmenschlichen Natur zu werden, und andererseits die Angst davor und den damit einhergehenden Verlust der eigenen, menschlichen Individualit\u00e4t. <em>\u201e<\/em>He is grounded in Nature,  and yet is unbridgeably apart from it.\u201c [13, S. 104]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<br><\/strong>[1] Gernot B\u00f6hme. F\u00fcr eine \u00f6kologische Natur\u00e4sthetik. Frankfurt: Suhrkamp, 1989 (siehe S. 5).<\/p>\n\n\n\n<p>[2] Gernot B\u00f6hme. Nat\u00fcrlich Natur: \u00dcber Natur im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit. Frankfurt: Suhrkamp, 1992 (siehe S. 4). <\/p>\n\n\n\n<p>[3] Antje Flade. Zur\u00fcck Zur Natur? Wiesbaden: Springer, 2018 (siehe S. 1, 2, 5).<\/p>\n\n\n\n<p>[4] Ulrich Gebhard. Kind und Natur: die Bedeutung der Natur f\u00fcr die psychische Entwicklung. Wiesbaden: Springer-Verlag, 2013 (siehe S. 2\u20136).<\/p>\n\n\n\n<p>[5] Ulrich Gebhard. \u201eNaturverh\u00e4ltnis und Selbstverh\u00e4ltnis\u201c. Scheidewege 35.2005 (2005), S. 243\u2013267 (siehe S. 4).<\/p>\n\n\n\n<p>[6] Karen Gloy. Das Verst\u00e4ndnis der Natur: Die Geschichte des wissenschaftlichen Denkens. Bd. 1. M\u00fcnchen: CH Beck, 1995 (siehe S. 2).<\/p>\n\n\n\n<p>[7] Terry Hartig u. a. \u201eNature and health\u201c. Annual review of public health 35 (2014), S. 207\u2013228 (siehe S. 1, 4, 5).<\/p>\n\n\n\n<p>[8] Immanuel Kant. Kritik der Urteilskraft, Werkausgabe Bd. Frankfurt:Suhrkamp, 1977 (siehe S. 6).<\/p>\n\n\n\n<p>[9] Ulrich Kattmann. \u201eDer Mensch in der Natur: Die Doppelrolle des Menschen als Schl\u00fcssel f\u00fcr Tier-und Umweltethik\u201c. Ethik und Sozialwissenschaften 8.2 (1997), S. 123\u2013131 (siehe S. 2). <\/p>\n\n\n\n<p>[10] Thomas Kirchhoff, Vera Vicenzotti und Annette Voigt. Sehnsucht nach Natur: \u00dcber den Drang nach drau\u00dfen in der heutigen Freizeitkultur. Bd. 15. Bielefeld: transcript Verlag, 2014 (siehe S. 5, 6).<\/p>\n\n\n\n<p>[11] Jean Piaget. Das Weltbild des Kindes. Bd. 35004. Stuttgart: Klett-Cotta, 1978 (siehe S. 3).<\/p>\n\n\n\n<p>[12] Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Ideen zu einer Philosophie der Natur: als Einleitung in das Studium dieser Wissenschaft. Norderstedt: BoD\u2013Books on Demand, 2016 (siehe S. 4).<\/p>\n\n\n\n<p>[13] Harold F. Searles. The nonhuman environment in normal development and schizophrenia. Madison: International Universities Press, 1960 (siehe S. 3, 4, 7).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Online-Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>[14] Wikipediaredaktion (o. J.) \u201eAnimismus\u201c. o.D. url: https : \/ \/ de .<br>wikipedia.org\/wiki\/Animismus (siehe S. 3).<\/p>\n\n\n\n<p>[15] Wikipediaredaktion (o. J.) \u201eAnthropomorphism\u201c. o.D. url: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anthropomorphism (siehe S. 3). <\/p>\n\n\n\n<p>[16] Wikipediaredaktion (o. J.) \u201eNatur\u201c. o.D. url: https:\/\/de.wikipedia.<br>org\/wiki\/Natur (siehe S. 1, 2).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt nicht nur zwischen Natur und Mensch, sondern auch zwischen Natur, Mensch und Film etliche Ber\u00fchrungspunkte und Zusammenh\u00e4nge. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern die Rolle der Natur im Leben der Menschen auch den Umgang der Menschen mit der Natur im Film beeinflusst. 1. Definition von Natur Zun\u00e4chst gilt es zu er\u00f6rtern, wof\u00fcr Natur<\/p>\n<footer class=\"entry-footer index-entry\">\n<div class=\"post-social pull-left\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D5109\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-facebook\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><a href=\"https:\/\/twitter.com\/home?status=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D5109\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-twitter\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/shareArticle?mini=true&#038;url=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D5109&#038;title=Ambivalenz+der+Mensch-Natur-Beziehung\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-linkedin\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><\/div>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=5109\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">\u2192<\/span><\/a><\/p>\n<\/footer>\n","protected":false},"author":64,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5109"}],"collection":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/64"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5109"}],"version-history":[{"count":6,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5109\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5574,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5109\/revisions\/5574"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5109"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5109"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5109"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}