{"id":507,"date":"2020-12-01T09:03:17","date_gmt":"2020-12-01T09:03:17","guid":{"rendered":"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=507"},"modified":"2020-12-01T09:03:17","modified_gmt":"2020-12-01T09:03:17","slug":"rauschzustande-im-film-der-sprung-vom-experimentalfilm-zum-spielfilm-ins-mainstreamkino","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=507","title":{"rendered":"Rauschzust\u00e4nde im Film. Der Sprung vom Experimentalfilm zum Spielfilm ins Mainstreamkino"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie im Blogpost <a href=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=398\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=398\">\u201eDie psychoanalytische Filmtheorie von Rauschzust\u00e4nden im Film\u201c<\/a> schon n\u00e4her ausgef\u00fchrt wurde, z\u00e4hlen zu Rauscherlebnissen im Film nicht nur durch Drogen und Rauschmittel induzierte Wahrnehmungsver\u00e4nderungen, sondern auch Tr\u00e4ume. In diesem Blogpost soll auf die Timeline, wann diese Themen wiederkehrend in Filmen aufgegriffen worden sind und wann sie es ins Mainstreamkino geschafft haben, eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens in den 20er Jahren wurden vermehrt Tr\u00e4ume und das Unbewusste in Filmen thematisiert, ein Beispiel daf\u00fcr ist \u201eUn Chien Andalou\u201c, ein Film der 1928 erschien, bei dem Luis Bunuel und Salvador Dal\u00ed mitwirkten. Auch in Chaplins Filmen spielten Szenen, die Tr\u00e4ume thematisieren eine gro\u00dfe Rolle. In den 1920er Jahren fand jedoch nicht nur der Traum seinen Weg in die Filmwelt, auch das Thema Rausch und die Darstellung von Rauschzust\u00e4nden kamen erstmals vor, wie am Film \u201eDer letzte Mann\u201c von Friedrich Willhelm Murnau, der 1924 erschien, zu erkennen ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/un-chien-andalou-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-508\" srcset=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/un-chien-andalou-1024x576.jpg 1024w, http:\/\/desres20.netornot.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/un-chien-andalou-300x169.jpg 300w, http:\/\/desres20.netornot.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/un-chien-andalou-768x432.jpg 768w, http:\/\/desres20.netornot.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/un-chien-andalou.jpg 1280w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Un Chien Andalou<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Im Blogpost <a href=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=94\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=94\">\u201eDie \u00c4sthetik der Darstellung induzierter Bewusstseinsver\u00e4nderungen im Film\u201c<\/a> wurde auf verschiedene Merkmale, wie man solche Zust\u00e4nde filmisch aufgreifen kann, n\u00e4her eingegangen. 1924 geschah dies haupts\u00e4chlich durch \u00dcberblendungen, Mehrfachbilder und eine schwankende, rotierende Kameraf\u00fchrung. Zu dieser Zeit war es haupts\u00e4chlich Alkohol, der f\u00fcr diese Rauschzust\u00e4nde verantwortlich war. Erst Jahre sp\u00e4ter in den 1950ern wurden auch Kokain oder andere Drogen filmisch aufgegriffen um Rauschzust\u00e4nde oder Wahrnehmungsver\u00e4nderungen zu induzieren. Einer der Gr\u00fcnde wieso das zu dieser Zeit geschah, war der gesellschaftliche Diskurs in den 1950er Jahren, da zu dieser Zeit Drogen nicht nur im Film sondern auch in der Gesellschaft pr\u00e4senter wurden. Zeitgleich entstand n\u00e4mlich auch das Genre des psychedelischen Films. Zu psychedelischen Drogen z\u00e4hlen Substanzen wie LSD, Psilocybin, Kokain oder Meskalin, wobei in psychedelischen Filmen zu dieser Zeit haupts\u00e4chlich LSD thematisiert wurde.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nur ein geringer Teil der Filmemacher und Regisseure arbeitete mit diesem Genre. Zuerst wurden Rauschzust\u00e4nde haupts\u00e4chlich von Experimentalfilmern thematisiert. 1963 entstand der erste Mandala Film, der von John und James Whitney gemacht wurde. Mandala Filme stellten oft eine Mischung aus Rausch und Meditation dar. Sp\u00e4ter folgten auch unabh\u00e4ngige Dokumentar-, Animations- und Experimentalfilmer diesem Trend und versuchten <strong>\u201eZust\u00e4nde erh\u00f6hter Sensibilit\u00e4t f\u00fcr sensorische Reize, begleitet von Euphorie, dem Gef\u00fchl von Bewusstseinserweiterung, sowie Halluzinationen oder Sinnest\u00e4uschungen, aber auch psychotische Erlebnisse mit filmischen Mitteln darzustellen.\u201c<\/strong><a href=\"#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Eines der Hauptziele dessen war, solche Zust\u00e4nde zu thematisieren und auch zu informieren, wie sich das anf\u00fchlen k\u00f6nnte, selbst einen Zustand der Wahrnehmungsver\u00e4nderung zu erreichen. Ariane Beyn schrieb, dass es sogar scheint als w\u00e4re es m\u00f6glich, dass psychedelische Filme \u201eeuphorische Stimmung direkt im Kinosaal\u201c erzeugen k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/whitney-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-509\" width=\"431\" height=\"323\"\/><figcaption>Mandala Film von John und James Whitney<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>In diesen Experimentalfilmen wurde oft mit Mandalas und spiritueller Farbsymbolik gearbeitet, <strong>\u201eFiguren verlieren ihre Objektkonstanz, sie schwellen an, ver\u00e4ndern die Form, transformieren zu anderen Figuren; R\u00e4ume verlieren die Kontinuit\u00e4t, werden liquide oder nehmen andere Formen an\u201c<\/strong>. Inspiration wird oft aus der Farb- und Formenwelt anderer Kulturen, vor allem dem chinesischen Ying und Yang oder den indischen Mandalas gezogen. Meist fand man sich in einer abstrakten Formenwelt wieder.<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Als dann Ende der 1960er Jahre die Drogenkultur mehr Popularit\u00e4t in der Gesellschaft erlangte, schaffte dieses Genre den Sprung vom Experimentalfilm zum Spielfilm. Filmen wie \u201eEasy Rider\u201c (1969) von Dennis Hopper oder \u201eAltered States\u201c (1980) von Ken Russell gelang der Aufstieg ins Mainstreamkino. Die Spielfilme unterschieden sich jedoch in einigen Aspekten von den Experimentalfilmen da sie nur einen Teil der filmischen Stilmittel, die schon davor verwendet wurden, \u00fcbernahmen. Der Grundstein war aber gelegt und der Weiterentwicklung dieses Filmgenres sowie der Erlangung eines h\u00f6heren Bekanntheitsgrads stand nichts mehr im Weg.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Kruse, Patrick\/ Wulff, Hans J.: Psychonauten im Kino: Rausch und Rauschdarstellung im Film. In: Kino im Kopf. Psychologie und Film seit Sigmund Freud. Berlin: Bertz + Fischer 2006, S.108<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Ebda. S.109<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Beyn, Ariane: Psych-Out. In: Starship, 5. S. 77ff<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Kruse, Patrick\/ Wulff, Hans J.: Psychonauten im Kino: Rausch und Rauschdarstellung im Film. In: Kino im Kopf. Psychologie und Film seit Sigmund Freud. Berlin: Bertz + Fischer 2006, S.110<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie im Blogpost \u201eDie psychoanalytische Filmtheorie von Rauschzust\u00e4nden im Film\u201c schon n\u00e4her ausgef\u00fchrt wurde, z\u00e4hlen zu Rauscherlebnissen im Film nicht nur durch Drogen und Rauschmittel induzierte Wahrnehmungsver\u00e4nderungen, sondern auch Tr\u00e4ume. In diesem Blogpost soll auf die Timeline, wann diese Themen wiederkehrend in Filmen aufgegriffen worden sind und wann sie es ins Mainstreamkino geschafft haben, eingegangen<\/p>\n<footer class=\"entry-footer index-entry\">\n<div class=\"post-social pull-left\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D507\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-facebook\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><a href=\"https:\/\/twitter.com\/home?status=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D507\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-twitter\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/shareArticle?mini=true&#038;url=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D507&#038;title=Rauschzust%C3%A4nde+im+Film.+Der+Sprung+vom+Experimentalfilm+zum+Spielfilm+ins+Mainstreamkino\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-linkedin\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><\/div>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=507\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">\u2192<\/span><\/a><\/p>\n<\/footer>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/507"}],"collection":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=507"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/507\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":510,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/507\/revisions\/510"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}