{"id":2205,"date":"2021-01-18T07:23:55","date_gmt":"2021-01-18T07:23:55","guid":{"rendered":"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=2205"},"modified":"2021-01-18T07:23:55","modified_gmt":"2021-01-18T07:23:55","slug":"die-verwendung-verschiedener-tonkonventionen-in-traumsequenzen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=2205","title":{"rendered":"Die Verwendung verschiedener Tonkonventionen in Traumsequenzen"},"content":{"rendered":"\n<p>Die optische Darstellung von ver\u00e4nderten Bewusstseinszust\u00e4nden wurden schon in dem Blogpost \u201e<a href=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=94\">Die \u00c4sthetik der Darstellung induzierter Bewusstseinsver\u00e4nderungen im Film<\/a>\u201c behandelt und auch auf das Thema Traumsequenzen wurde im Post \u201e<a href=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=842\">Die Verwendung von Traumsequenzen in narrativen Filmen<\/a>\u201c schon eingegangen. Dieser Blogpost besch\u00e4ftigt sich ebenfalls mit diesen Themen, beleuchtet jedoch nicht das Thema Bewegtbild sondern Sound.<\/p>\n\n\n\n<p>Begleitmusik, Sound und Soundeffekte spielen schon seit den Anf\u00e4ngen der Filmgeschichte eine gro\u00dfe Rolle. Schon als es nur Stummfilme gab wurden diese im Kino mit Musik begleitet. Der Film sowie der Stummfilm sind n\u00e4mlich beides keine rein visuellen Ph\u00e4nomene. Filmmusik untermalt und verst\u00e4rkt nicht nur die visuellen Reize von Filmen, sie schottet den Zuseher auch von seiner Umwelt ab und zieht ihn in die Handlung hinein. Ren\u00e9 Clair spricht bei diesem Ph\u00e4nomen auch von einer bet\u00e4ubenden Wirkung.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Gerade in Traumsequenzen kann der Sound ein kontroverses Thema sein. Um eine Abgrenzung zwischen Traumsequenz und Realit\u00e4tseindruck zu schaffen gibt es zwei Herangehensweisen.<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die erste beruht auf dem Hinzuf\u00fcgen von Klang und Klangobjekten. Dies kann einen Irritationsmoment ausl\u00f6sen und so den Traum als solchen kennzeichnen oder auch nur sehr subtil verwendet werden.<\/li><li>Die zweite nutzt genau das Gegenteil. Der Realit\u00e4tseindruck wird durch eine Ausd\u00fcnnung akustischer Reize abgeschw\u00e4cht. Auch diese M\u00f6glichkeit kann von einer sehr subtilen Reduktion von Ger\u00e4uschen bis hin zu Stille reichen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Basierend auf diesen beiden Methoden k\u00f6nnen verschiedenste Gestaltungsmethoden und Tonkonventionen eingesetzt werden, die im Folgenden n\u00e4her erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\"><li><strong>Ausblendung von Umgebungsger\u00e4uschen<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Vor allem in urbanen Umgebungen kann fast von einer Reiz\u00fcberflutung akustischer Reize gesprochen werden. Menschen sind permanent ihrer akustischen Umwelt ausgesetzt, was die Absenz von Ger\u00e4uschen hervorstechen l\u00e4sst und einen Kontrast zu den \u00fcblichen Umgebungskl\u00e4ngen darstellen kann. In Traumsequenzen k\u00f6nnen Ger\u00e4usche langsam abklingen oder auch direkt in eine abrupte Stille \u00fcbergehen.<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\" start=\"2\"><li><strong>Stille<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Wie auch das Ausblenden und die Reduktion von Umgebungsger\u00e4uschen, stellt Stille einen starken Kontrast zur gewohnten Umgebung dar. Interessant an diesem Stilmittel ist, dass sich die Bilder durch das Fehlen der Audiospur nicht ver\u00e4ndern. Meist ist der Ursprung der Ger\u00e4usche, die zuvor geh\u00f6rt wurden, in der Traumsequenz aber nicht vorhanden sind, trotzdem weiterhin zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\" start=\"3\"><li><strong>Fokus auf einzelne Ger\u00e4usche<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Nicht nur der Fokus auf die Stille, sondern auch der Fokus auf ein bestimmtes Element der Tonspur sticht aus \u00fcblichen Umgebungsger\u00e4uschen hervor. Teile der Tonspur verstummen und r\u00fccken andere, zu diesem Zeitpunkt relevantere, in den Vordergrund. Fl\u00fcckinger spricht bei diesem Ph\u00e4nomen auch von einer antinaturalistischen Selektion.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Stille sowie die Konzentration auf ein bestimmtes Ger\u00e4usch oder einen bestimmten Aspekt der Tonspur geht oft mit einem Blick nach Innen einher und richtet die Aufmerksamkeit eines Charakters oder auch der Zuseher auf sich. Beispiele daf\u00fcr sind das Ausblenden aller Ger\u00e4usche, ausgenommen dem Atem oder dem Herzschlag. Auch innere Monologe z\u00e4hlen zu diesem Ph\u00e4nomen. Meist wird der Fokus auf die Kl\u00e4nge gerichtet, die eine dramaturgisch wichtige Funktion einnehmen oder von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr den betroffenen Charakter sind. Auch \u00fcbertriebenes Lautst\u00e4rkeempfinden ist abh\u00e4ngig von der Person und ihrer Wahrnehmung. Diese Stilmittel gehen oft mit visuellen Methoden wie einer Sch\u00e4rfeverlagerung, der Lichtsetzung oder \u00c4nderung der Einstellungsgr\u00f6\u00dfe einher.<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\" start=\"4\"><li><strong>Hall<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Zu den h\u00e4ufig verwendetet klanglichen Traummarkierungen geh\u00f6rt auch der Hall. Besonders wenn vor dem Einsetzen dieses Stilmittels Stille geschaffen wird, weist Hall eine sehr besondere Klagcharakteristik auf. Um Hall noch zu verst\u00e4rken wird oft auf visuelle Stilmittel, wie Doppelbelichtung oder verschwommene Bewegungen zur\u00fcckgegriffen, was zu einer Verdichtung von auditiven Informationen f\u00fchrt.<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\" start=\"5\"><li><strong>Dr\u00f6hnen und Grollen<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Diese klanglichen Ausw\u00fcchse von Naturph\u00e4nomenen kommen vor allem bei der Darstellung von Albtr\u00e4umen zum Einsatz, da sie einen bedrohlichen Eindruck machen und sich so direkt auf die Spannung einer Szene auswirken. Der Zuschauer empfindet dadurch die gleiche Angst und Aufregung, wie auch der Protagonist der Szene.<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\" start=\"6\"><li><strong>Ver\u00e4nderung des Frequenzbereichs<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Stilmittel zur Abgrenzung eines Traums von der Realit\u00e4t ist die Verlagerung der akustischen Reize in tiefe Frequenzbereiche. Die dadurch gekennzeichnete Wahrnehmungsver\u00e4nderung wird dadurch erreicht, dass die Kl\u00e4nge in h\u00f6heren Frequenzbereichen, die f\u00fcr die Pr\u00e4senz eines Klanges verantwortlich sind, herausgefiltert werden.<\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\" start=\"7\"><li><strong>Ton-Bild-Inkongruenz<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Einige der bereits genannten Tonkonventionen k\u00f6nnen auch unter dem Begriff Ton-Bild-Inkongruenz zusammengefasst werden. Das Aufheben der Synchronit\u00e4t zwischen Bild- und Tonspur schafft es, dem Ton eine zus\u00e4tzliche Funktion zu geben. Der Ton kann dadurch etwas suggerieren, das im Bild nicht wahrzunehmen ist. Auch ein Zeitunterschied oder eine zeitliche Verschiebung von Bild und Ton kann hierbei zum Einsatz kommen und f\u00e4llt unter Ton-Bild-Inkongruenz.<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<ol type=\"1\" start=\"8\"><li><strong>Externe Reize als Zusatz<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die letzte Tonkonvention, die in Traumsequenzen h\u00e4ufig verwendet wird, auf die n\u00e4her eingegangen werden soll, ist der Zusatz von externen Reizen aus der Wachwelt. Wie auch in realen Tr\u00e4umen, k\u00f6nnen Ger\u00e4usche aus der realen Welt in Tr\u00e4ume integriert werden und andere Funktionen einnehmen. Erst das mehrfache Wiederholen eines Ger\u00e4usches schafft es eine Verbindung zwischen dem Traum und der realen Welt zu schaffen und den Charakter der Traumsequenz aufzuwecken.<\/p>\n\n\n\n<p>So unterschiedlich die visuellen Stilmittel und Abgrenzungsmerkmale von ver\u00e4nderten Bewusstseinszust\u00e4nden, wie zum Beispiel Tr\u00e4umen sein k\u00f6nnen, so unterschiedlich sind auch die auditiven Tonkonventionen. Wichtig ist nur der Kontrast zwischen realer Welt und Traumsequenz. Auf welche Art sich diese Beiden unterscheiden und wie die Grenze gezogen wird ist von Film zu Film unterschiedlich.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Br\u00fctsch, Matthias: Traumb\u00fchne Kino. Der Traum als filmtheoretische Metapher und narratives Motiv, Sch\u00fcrer 2010, S. 36f<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Nguyen, Michael: Ver\u00e4nderte Bewusstseinszust\u00e4nde. Subjektivierung und Traumdarstellung im Filmton, ungedruckte Bachelorarbeit, Fachhochschule Dortmund 2017, S. 83<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Fl\u00fcckinger, Barbara: Sound Design. Die virtuelle Klangwelt des Films, Sch\u00fcrer 2012, S. 407ff<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Nguyen, Michael: Ver\u00e4nderte Bewusstseinszust\u00e4nde. Subjektivierung und Traumdarstellung im Filmton, ungedruckte Bachelorarbeit, Fachhochschule Dortmund 2017, S.89ff<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Nguyen, Michael: Ver\u00e4nderte Bewusstseinszust\u00e4nde. Subjektivierung und Traumdarstellung im Filmton, ungedruckte Bachelorarbeit, Fachhochschule Dortmund 2017, S.94<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Nguyen, Michael: Ver\u00e4nderte Bewusstseinszust\u00e4nde. Subjektivierung und Traumdarstellung im Filmton, ungedruckte Bachelorarbeit, Fachhochschule Dortmund 2017, S.104f<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die optische Darstellung von ver\u00e4nderten Bewusstseinszust\u00e4nden wurden schon in dem Blogpost \u201eDie \u00c4sthetik der Darstellung induzierter Bewusstseinsver\u00e4nderungen im Film\u201c behandelt und auch auf das Thema Traumsequenzen wurde im Post \u201eDie Verwendung von Traumsequenzen in narrativen Filmen\u201c schon eingegangen. Dieser Blogpost besch\u00e4ftigt sich ebenfalls mit diesen Themen, beleuchtet jedoch nicht das Thema Bewegtbild sondern Sound. Begleitmusik,<\/p>\n<footer class=\"entry-footer index-entry\">\n<div class=\"post-social pull-left\"><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/sharer\/sharer.php?u=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D2205\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-facebook\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><a href=\"https:\/\/twitter.com\/home?status=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D2205\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-twitter\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/shareArticle?mini=true&#038;url=http%3A%2F%2Fdesres20.netornot.at%2F%3Fp%3D2205&#038;title=Die+Verwendung+verschiedener+Tonkonventionen+in+Traumsequenzen\" target=\"_blank\" class=\"social-icons\"><i class=\"fa fa-linkedin\" aria-hidden=\"true\"><\/i><\/a><\/div>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/desres20.netornot.at\/?p=2205\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">\u2192<\/span><\/a><\/p>\n<\/footer>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2205"}],"collection":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2205"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2205\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2206,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2205\/revisions\/2206"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2205"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/desres20.netornot.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}